Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.   Erfahren Sie mehr.
Zustimmen
Mark Pohlmann

Was Marken 2017 im Social Marketing erwartet 

  1. Die Politisierung der Nutzer verändert das Spiel  
    In einem zunehmend politisierten Umfeld fällt es einer Marke schwer, Aufmerksamkeit für ihre Themen zu erhalten. Sollte eine Marke deswegen mit auf das politische Parkett? Ich behaupte: Nein. Marken haben keine soziale Legitimität in politischen Diskursen.
    Vorhersage für 2017: Marken scheren sich nicht um meinen guten Rat und versuchen sich selbst in Politisierung. Ich sehe den  "rebellischen Lifestyle" (natürlich mit Bart!) und sowas wie "Achtsamkeit 2.0" trenden. Mich gruselt's jetzt schon.     

  2. Tektonische Umbrüche bei den Social Networks
    Facebooks Klientel ist alt und spießig, Instagram cool und Snapchat begeistert die Teens. Nichts Neues also. Vergleichsweise neu aber ist die Erkenntnis, dass Facebook lieber ein Medium und kein Netzwerk mehr sein möchte, dass Twitter zwar Wahlen entscheidet, aber keine Nutzer gewinnt und dass Snapchat kein flüchtiger Messenger mehr sein möchte, sondern ein riesiges Spaßbad mit digitalen Blubberblasen. Was die Zukunft der Networks angeht, kann einem Angst und Bange werden.

    Prognose 2017: Das Schaumblasen-Zeitalter ist da, sachliche Kommunikation wird outdated. Facebook verkommt zum Moralmarktplatz für Hobbydozenten, der Rest amüsiert sich einfach auf einem der Spaßnetzwerke. Selbst Apple promotet Emoticons jetzt als elementaren Bestandteil seiner Betriebssysteme. Was können Marken tun? Entweder machen sie mit und wandeln sich zur digitalen Event-Location, oder sie besinnen sich auf ihren Expertenstatus und halten sich aus diesem Spiel raus. Je nach Zielgruppe. 

  3. Influencer im Sog des Algorithmus'
    Wie auf Kommando waren 2016 plötzlich alle der Meinung, dass Youtuber und Instagrammer wichtige Produktplatzierer sind. Was im Prinzip richtig ist, wird durch Generalisierung und dem Missverhältnis zwischen großer Nachfrage und wenigen professionellen Influencern dennoch falsch. 2016 war das Jahr stumpfer Produkt Placements und Gewinnspiele. Das geht selbst Youtube so auf die Nerven, dass es den Youngsters die Reichweiten kappt. Erfolgreiche Youtuber berichten von 40 Prozent weniger Views. Influencer merken also gerade, dass ihr Erfolg auf einem Algorithmus beruht, dessen Segnungen so schnell wieder verschwinden wie sie gekommen sind.

    Prognose 2017: mir noch unklar. Der Reichweitenentzug könnte zu einer Professionalisierung der Influencer führen, genauso aber zu einer Pervertierung des Systems: Noch mehr Gewinnspiele, noch mehr Clickbaits. 

  4. AI & Chatbots: Ist das noch im Hype oder kann das wieder weg?
    Kein Zweifel, Messenger sind in Sachen Reichweite und Nutzungsintensität die eigentlichen Sozialen Netzwerke geworden. Jetzt werden sie mit AI-Funktionalitäten versehen, mit denen sich erste automatisierte Dialoge oder E-Commerce-Funktionen umsetzen lassen. Doch was bringen die? Messenger Bots mögen bald williger als der Agent im Call Center aus Fleisch und Blut sein, aber befriedigen sie auch das Bedürfnis des Nutzers nach Aufmerksamkeit und Empathie? Und was machen wir erst, wenn sich mein Chatbot mit dem der Marke unterhält?  

    Prognose 2017: Bots werden so schnell kein Trend. Dafür können sie noch viel zu wenig. Aber sie sind die Zukunft. Chatbots werden in unseren Alltag einziehen und auch das Verhältnis zu Produkten verändern. Und wann wird es die erste Marke geben, die sich ausschließlich über Bots vermarktet? 

  5. Live Broadcasting wartet weiter auf Entdeckung
    Live-Videostreaming hatte einige große Auftritte in 2016, zumeist waren es aber Gewalt und Krisen, die wirklich viral gingen. Marken tun sich noch schwer mit digitalen Live-Events, dabei ist es das wahrscheinlich interessanteste Instrument, einzigartige Erlebnisse mit hoher viraler Reichweite zu schaffen.
    Vorhersage 2017: Live wird das neue Video. Marken werden damit beginnen, Celebrities zu Sponsoren. Im besten Falle bekommen wir so Live-Auftritte von Alicia Keys zu sehen, im schlimmsten Fall überträgt Gucci die Geißens. 

  6. Social Media Kampagnen werden eingemottet
    Ganz ehrlich: Wer kann sich an die letzte erfolgreiche Social Media Kampagne erinnern? Was ist das überhaupt heutzutage - eine Social Media Kampagne? Wer jetzt auf Edeka oder Volvics Babies tippt, liegt schonmal grundsätzlich falsch. Kommerzielle Werbevideos sind nicht social, weil sie auf YouTube laufen, sondern eben - Videos. Social heißt, Nutzer einzubeziehen. Die einzige Kampagne, die mir für 2016 einfällt, ist die Einhornschokolade von Ritter-Sport, die angeblich auf eine Idee eines Nutzers zurückgeht. Fällt den Marken nicht mehr ein?
    Vorhersage 2017: Nein, den Marken fällt nicht mehr ein. Denn sie ertragen es auch zehn Jahre nach Erfindung des Social Web nicht, wenn Kunden an ihnen rumpfuschen. Kollaboration wird sich so lange nicht durchsetzen, bis jemand zeigt, wie es richtig geht. 

  7. Wird Social Media von Marken gar ganz eingemottet?
    Oder ist es vielleicht schon passiert? Ich bin mir da nicht so sicher. Fakt ist, dass die Aufgabe von Marken in sozialen Netzen weiter einem dramatischen Missverständnis unterliegt: Grundidee vom Social Web sind zwei am Austausch interessierte Seiten. Für Marken geht es darum, den Dialog mit Kunden zu suchen und aus diesem einen Nutzen oder Mehrwert zu ziehen. Fakt ist aber, dass der Dialog zunehmend asynchron wird. Marken posten Werbung in den Feed des Nutzers, und dieser kann was auf die Seite einer Marke schreiben. Dialog wird daraus nicht, eher ein aneinander vorbeireden. Mich wundert immer, dass der nichtsoziale Charakter von kommerziellen Netzwerken nicht stärker kritisiert wird.

    Aussicht 2017: Netzwerke als Werbekanal bleiben die Norm. Die Ausnahme bleiben Marken, die den Kundendialog als Teil ihrer Markenidentität verstehen. Diese überlassen die Kundenbeziehung nicht länger Drittanbietern wie Facebook, sondern nehmen diese selbst in die Hand. 

  8. Adblindness rettet Social Media
    Werbemechanismen sind erstaunlich resistent: 95 Prozent der Media Spendings fließen in Anzeigen - wie seit 20 Jahren. Doch die Probleme von Digitalwerbung lassen sich 2017 nicht mehr ignorieren: "Programmatic Advertising" mag hip sein, macht die Werbekontrolle aber praktisch unmöglich und verleitet so zum Klick- oder Abrechnungsbetrug. Dazu kommen werbefreie Browser und Betriebssysteme sowie die Adblindess der Nutzer.

    Prognose: 2017 wird das Jahr des Umdenkens: Statistische Reichweiten und Reactions reichen nicht mehr als Media-Leistungen. Nicht mal mehr im Social Web. 

  9. Nach der Reichweite kommen die Leads
    Das Kernthema von Social Media bleibt die Kundenbeziehung. Sie ist das Ökosiegel des Marketing. Denn in der Aufmerksamkeitsökonomie geht es um mehr als um Aufmerksamkeit. Es geht um die das Vermitteln von Botschaften und Markenerlebnissen. Das klappt leider immer noch nicht mit Werbung - weder mit Videos noch mit Product Placements bei YouTubern. Markenerlebnisse benötigen eine direkte Beziehung mit dem Kunden. Und eine 1:1 Beziehung ist etwas, was ein Netzwerk á la Facebook niemals anbieten wird - der Kundenkontakt bleibt bei Facebook. Deswegen werden die Marken ihre Kundenbeziehung wieder selbst in die Hand nehmen. Müssen.

    Ausblick 2017: Wieviele Fans eine Marke auf Facebook hat? Endlich ist das vollkommen egal. Nicht egal ist, wieviel Nutzer über Facebook auf markeneigene Angebote akquiriert werden. 

  10. Das Ende der Plattformdiktaktur. Endlich.
    "The Winner takes it all"? Jein. An Facebooks 1,8 Mrd. Nutzer kommt niemand so schnell vorbei. Aber endlich muss niemand mehr vor allem bei Facebook sein, um seine Zielgruppe zu erreichen - denn die sucht sich nach Jahren der Monotonie endlich das Netzwerk, das zu ihr passt. Nicht vergessen: Trending sind nicht nur Pinterest, musical.ly oder Snapchat. Es gibt auch Peach, Vanelo, Yik Yak, Hyper oder Bebt. Die Welt des Social Web ist bunt.

Und das ist gut so!

Speichern Abbrechen
  • 3
    Unfassbar
  • 6
    Her damit
  • 1
    Ganz nett
  • 1
    Naja
  • 0
    No way
Kommentieren

Dateianhänge
    😄
    Ähnliche Artikel

    Hart Steuerbord - warum US-Verlage trotz Erfolge in Social Media das Ruder herum reißen.

    Der US-Verlag “The Atlantic” hat in den letzten Jahren jede technische Innovation in Sozialen Medien mitgemacht. Facebooks “Instant... mehr

    "Die Rekruten" soll für Nachwuchs bei der Bundeswehr sorgen

    Der Bundeswehr ist mit der Reality-Dokumentation "Die Rekruten" ein echter Überraschungshit gelungen. Auf dem offiziellen Youtube-Kanal konnte von... mehr

    Nach Trump: Ist Haltung ist wieder en vogue?

    Wie Markenkommunikation auf Donald Trump und Co. reagiert Nach dem Wahlsieg von Donald Trump und der erfolgreichen Brexit-Kampagne fragen sich... mehr

    Digital Wall – Marken zwischen Authentizität und Opportunismus

    Foto: pexels
    Das Internet ist ein riesiger Kosmos, aber Entdecker sind die wenigsten User. Vielmehr bewegen sich die meisten von Ihnen in bekannten Gefilden.... mehr

    Generation Z: Das unbekannte Wesen. Wie Marken am besten mit der Kaufkraft von morgen umgehen.

    Schnell, bildhaft, flüchtig. Die Generation Z kommuniziert gerne mit Apps wie Snapchat und Vine. Das weiß auch Zuckerberg und kämpft, nach dem... mehr